Agri-PV und elektrische Traktoren: Chancen für die Schweizer Energiewende
EDGE-Webinar zu Agri-PV und elektrische Traktoren
Am 10. Februar 2026 organisierte das SWEET EDGE-Konsortium ein Webinar zum Thema Agri-Photovoltaik (Agri-PV) und Elektrifizierung der Landwirtschaft. Ziel der Veranstaltung war es, aktuelle Forschungsergebnisse mit praktischen Perspektiven aus der Energiebranche zu verbinden und zu diskutieren, wie diese Technologien zur Dekarbonisierung des Energiesystems und zur Zukunft der Landwirtschaft in der Schweiz beitragen können.
Das Webinar brachte Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis zusammen: Prof. Jürg Rohrer (ZHAW), Jan Burri (ewz) und Dr. Sabrina Mili (Universität St. Gallen). Die Veranstaltung wurde von Prof. Evelina Trutnevyte (Universität Genf) moderiert.
Warum Agri-PV für die Schweiz relevant ist
Die Energiewende erfordert einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion. Gemäss den energiepolitischen Zielen der Schweiz sollen 35 TWh Strom aus neuen erneuerbaren Energien bis 2035 und 45 TWh bis 2050 bereitgestellt werden. Photovoltaik spielt dabei eine zentrale Rolle.
Während Photovoltaik auf Gebäuden weiterhin Priorität hat, zeigen aktuelle Analysen, dass zusätzliche Flächen notwendig sein könnten, um die Ausbauziele zu erreichen. Agri-Photovoltaik ermöglicht eine doppelte Nutzung von Land, indem landwirtschaftliche Produktion und Stromerzeugung kombiniert werden.
Forschungsperspektive: Wirtschaftlichkeit und Umsetzung
Prof. Jürg Rohrer (ZHAW) präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zur technischen, wirtschaftlichen und planerischen Umsetzung von Agri-PV-Anlagen in der Schweiz. Fallstudien zeigen, dass Agri-PV sowohl zur Stromproduktion beitragen als auch landwirtschaftliche Flächen weiterhin nutzbar bleiben können.
Die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen hängt jedoch stark von Faktoren wie Anlagentyp, Netzanschluss, Vermarktungsmodell und Strompreisstrukturen ab.
Von der Standortanalyse zur Energielösung
Jan Burri (ewz) zeigte, wie Agri-PV-Projekte von der Standortpriorisierung bis zur Integration in neue Energieprodukte entwickelt werden können. In seiner Arbeit entwickelte er ein räumliches Entscheidungs-Support-System, das landwirtschaftliche Flächen nach ihrer Eignung für Agri-PV bewertet.
Neben der Standortanalyse spielen neue Vermarktungsmodelle für Solarstrom eine wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise lokale Elektrizitätsgemeinschaften oder Eigenverbrauchsmodelle, die die wirtschaftliche Attraktivität solcher Anlagen erhöhen können.
Elektrifizierung der Landwirtschaft
Ein weiterer Schwerpunkt des Webinars lag auf der Elektrifizierung landwirtschaftlicher Maschinen. Dr. Sabrina Mili (Universität St. Gallen) analysierte den aktuellen Stand des europäischen Marktes für elektrische Traktoren sowie deren Chancen und Herausforderungen.
Elektrische Traktoren bieten Vorteile wie geringere Betriebskosten, höhere Energieeffizienz und die Möglichkeit, erneuerbare Energie direkt auf dem Hof zu nutzen. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen, etwa bei den Anschaffungskosten, der Batteriekapazität und der Einsatzdauer im Feldbetrieb.
Forschung und Praxis zusammenbringen
Das Webinar verdeutlichte, dass der erfolgreiche Einsatz von Agri-PV und elektrischen Landmaschinen nicht nur von technologischen Innovationen abhängt, sondern auch von geeigneten Geschäftsmodellen, regulatorischen Rahmenbedingungen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Forschung, Energiebranche und Landwirtschaft.
Die EDGE-Webinarreihe verfolgt genau dieses Ziel: Forschungsergebnisse zugänglich machen und den Dialog zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik fördern.