EDGE-Webinar zu E-Mobilität und Netzplanung
Von Ladebedarf zu Systemflexibilität: Erkenntnisse aus dem EDGE-Webinar zu E-Mobilität und Netzplanung
Elektrofahrzeuge entwickeln sich zunehmend zu einem strukturellen Bestandteil des Stromsystems. Was früher lediglich als zusätzliche Nachfrage erschien, wird heute zu einer zentralen Größe für Netzplanung, Infrastrukturinvestitionen und Systemflexibilität.
Dabei stellen sich mehrere wichtige Fragen:
Wie verändert großskaliges Laden von Elektrofahrzeugen die Lastprofile im Stromsystem?
Unter welchen Bedingungen kann Ladebedarf zu einer Flexibilitätsressource werden?
Und wie lassen sich Modellierungsergebnisse in konkrete netzplanerische Entscheidungen übersetzen?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt des EDGE-Webinars „Using EVs to Support the Grid: From Charging Demand to Flexibility in Practice“.
Die Veranstaltung brachte Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis zusammen, um zu diskutieren, wie Ladeverhalten analysiert, modelliert und in die Planung zukünftiger Stromsysteme integriert werden kann.
Vom realen Ladeverhalten zu Netzwirkungen
Lukas Elmiger (CKW / Axpo Group) präsentierte neue Analysen, die zeigen, wie Ladeverhalten von Elektrofahrzeugen anhand großer Smart-Meter-Datensätze identifiziert und ausgewertet werden kann.
Die Ergebnisse verdeutlichen mehrere Herausforderungen für die Netzplanung. Das Ladeverhalten ist schwer vorherzusagen, und einzelne Ladevorgänge weisen oft deutlich höhere Leistungen auf als typische Haushaltsgeräte.
Die Analyse zeigt zudem, dass synchronisierte Ladeprozesse die Netzbelastung deutlich erhöhen können – insbesondere dann, wenn Tarifstrukturen viele Nutzer dazu veranlassen, gleichzeitig zu laden.
Spitzenlasten durch intelligente Ladestrategien reduzieren
Im Webinar wurden verschiedene Strategien vorgestellt, um extreme Lastspitzen zu vermeiden.
Tarifmodelle können unbeabsichtigt zu synchronisiertem Laden führen, etwa wenn reduzierte Nachtstrompreise viele Nutzer gleichzeitig zum Laden motivieren.
Diskutiert wurden unter anderem gestaffeltes Laden, Leistungsbegrenzungen sowie angepasste Tarifmodelle. Diese Maßnahmen können helfen, Lastspitzen zu reduzieren und kostspielige Netzausbauten zu vermeiden.
Flexibilität von EV-Ladevorgängen im Stromsystem
María Parajeles (ETH Zürich) präsentierte Forschung zur Modellierung von Ladebedarf und Flexibilität von Elektrofahrzeugen im Schweizer Stromsystem.
Ihre Arbeit kombiniert Mobilitätssimulationen, Ladeverhaltensmodelle und Stromsystemanalysen, um zentrale Fragen zu beantworten:
Wann und wo benötigen Elektrofahrzeuge Energie?
Wie viel dieses Ladebedarfs kann verschoben werden, ohne den Komfort der Nutzer zu beeinträchtigen?
Und welchen Wert hat diese Flexibilität für das Stromsystem?
Die Ergebnisse zeigen, dass rund 60 % der zukünftigen Ladeenergie von Elektrofahrzeugen flexibel sein könnten, was große Potenziale für die Optimierung des Stromsystems eröffnet.
Integration erneuerbarer Energien erleichtern
Die Forschung zeigt zudem, dass flexible Ladevorgänge die Integration erneuerbarer Energien erleichtern können.
Flexible Ladezeiten ermöglichen eine bessere Nutzung der Solarstromproduktion, reduzieren die Abregelung erneuerbarer Energien und senken die Betriebskosten des Stromsystems. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, Investitionen in zusätzliche Erzeugungskapazitäten und Netzinfrastruktur zu begrenzen.
Die Diskussion im Webinar machte jedoch deutlich, dass eine enge Abstimmung zwischen der Planung auf Systemebene und dem Betrieb der lokalen Verteilnetze entscheidend bleibt.