Zentrale Impulse vom Schweizer Stromkongress
Credits: Foto Basler
Winterstrom, Systemstabilität und Akzeptanz: Zentrale Impulse vom Schweizer Stromkongress
An der 2. Journée du Congrès suisse de l’électricité stand ein zentrales Thema im Fokus: Wie lässt sich das Schweizer Stromsystem unter neuen geopolitischen, regulatorischen und klimatischen Rahmenbedingungen zuverlässig und bezahlbar weiterentwickeln?
Ein europäischer Markt mit realen Konsequenzen
Zum Auftakt erinnerte Michael Strugl, CEO von VERBUND AG und Präsident von Österreichs Energie, an eine grundlegende Realität: Strom wird in einem eng vernetzten europäischen Markt gehandelt. Wenn Netzengpässe zunehmen und Preiszonen fragmentiert werden, entstehen wachsende Preisunterschiede. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist daher kein politisches Ideal, sondern eine ökonomische Notwendigkeit – sie senkt Systemkosten, reduziert Reservebedarf und erhöht die Versorgungssicherheit.
Neue Regulierung, hohe Anforderungen
In der anschliessenden Podiumsdiskussion zur neuen Stromgesetzgebung wiesen Cristina Pastoriza (Multidis), Michael Gruber (CEO Energie Thun AG) und Jürg Plugshaupt (Energie Gossau und Plugshaupt Engineering) auf die hohen Umsetzungsanforderungen der neuen Regulierung hin. Besonders die finanziellen und personellen Aufwände seien oft schwer abschätzbar und würden letztlich von den Endkundinnen und Endkunden getragen. Dynamische Netztarife wurden als vielversprechender, aber bislang noch wenig genutzter Ansatz genannt. Einigkeit bestand darüber, dass es mehr regulatorische Zurückhaltung, bessere Wirkungsabschätzungen und einen engeren Dialog zwischen Gesetzgebung und Praxis brauche.
Erneuerbare Pfeiler für das Schweizer Stromsystem
In diesem Kontext ordnete Prof. Michael Lehning (EPFL) die Rolle der erneuerbaren Energien aus systemischer Perspektive ein. Photovoltaik und Wasserkraft bilden demnach die zentralen Pfeiler des Schweizer Stromsystems. Um das bestehende Winterstromdefizit zu schliessen, seien jedoch zusätzliche Optionen erforderlich.
Lehning betonte, dass Windenergie und alpine Photovoltaik realistische und notwendige Ergänzungen darstellen. Ihr Beitrag sei insbesondere im Winter relevant. Gleichzeitig verwies er auf anhaltende Herausforderungen in Bezug auf gesellschaftliche Akzeptanz, Raumplanung und Projektumsetzung. Entscheidend sei daher nicht nur die technische Machbarkeit, sondern auch die frühzeitige Einbindung lokaler Akteure und transparente Entscheidungsprozesse.
Fazit
Der Schweizer Stromkongress machte deutlich: Die Energiewende ist weniger eine Frage einzelner Technologien als eine systemische Aufgabe, die Marktintegration, Regulierung, Planung und gesellschaftliche Akzeptanz gemeinsam denken muss. Die Beiträge von Prof. Michael Lehning unterstrichen dabei, dass alpine erneuerbare Energien ein relevanter Teil der Lösung sein können – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.